Re: probiert es mal mit...
geschrieben von:
mortimer
Datum: 08.02.2010 / 23:34
"...jeder muss das selbst für sich entscheiden, ob er einen schritt setzen will oder lieber in "seiner" welt ... verharren will"
Hier wird das ganze Dilemma einer starken Depression deutlich: von "wollen" und "entscheiden" kann ja gar keine Rede sein, nicht einmal von einem wirklichen "Ich".
(Deonoch will ich mir (als Betroffenen) meine Selbstbestimmung nicht nehmen lassen.)
"Sport" klingt natürlich wie ein Fusstritt für jemanden, der ohnehin am Boden liegt.
Aber zahir hat recht: "einen Schritt setzen" hilft.
Sich aufraffen und ganz bewußt ein paar Schritte gehen. Ein Spaziergang vielleicht. Eine Treppe steigen.
Den eigenen Körper spüren.
Es geht darum, ein neues Körpergefühl entwickeln.
Die Grenzen von Ich und Welt spüren. Kalte Luft auf meiner Haut, Wintersonne.
Ursache und Wirkung spüren: "Ich", durch freien Willen, bewege meine Beine, meine Füsse spüren den Boden. Ich fasse ein Ziel, gehe dorthin, komme an.
Bin ich erst mal ein Stück gegangen, kann ich nicht mitten auf dem Weg stehenbleiben, ich will zumindest zurück nach Hause. Das ist dann doppelt soweit als wenn ich gar nicht aufgebrochen wäre.
Wieder Tritt fassen im Leben.
An manchen Tagen werde ich nicht mal den Schritt aus dem Bett schaffen, richtig. Aber jeder Schritt, den ich trotzdem tue, ist eine Chance, wieder Tritt zu fassen. Je mehr Schritte, desto grösser die Chance, irgendwann aus meinem jetzigen Schlamassel herauszufinden.
(Es sei denn ich stecke im Treibsand und jede Anstrengung, mich selbst daraus zu befreien, lässt mich nur noch tiefer im Seelen-Sumpf versinken. Hilfe!)